Was im Januar 2025 als spontane Idee bei der MINT-EC-Schulleitertagung in Frankfurt begann, ist heute ein humanoider Roboter, der winkt, Hände schüttelt, umarmt – und mit künstlicher Intelligenz seine Umgebung beschreibt. Die 3D-Druck-AG des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums hat mit Unterstützung der RÜTGERS Stiftung und der Elmos-Stiftung ihren eigenen Roboter gebaut: Charly.
Den Anstoß gab die Präsentation eines humanoiden Roboters der Firma Isento, der die Bewegungen seines menschlichen Gegenübers nachahmen konnte. Die Schülerinnen und Schüler waren so beeindruckt, dass sie beschlossen, ein eigenes, vergleichbares Projekt an ihrer Schule zu realisieren.
Vom Bausatz zum Bauteil
Im Sommer 2025 konnte dank der Förderung der Bausatz erworben werden – mit allen elektronischen Komponenten und Schrauben. Herzstück ist ein Raspberry Pi 5, der drei Servotreiberplatinen für insgesamt 20 Motoren, drei Kameras, zwei Lautsprecher, ein Touch-Display und ein Mikrofon steuert. Alle Körperteile wurden auf den schuleigenen 3D-Druckern gefertigt – ein Prozess, der rund drei Monate in Anspruch nahm und bei dem sich die Jugendlichen intensiv mit 3D-Modellierung, Druckparametern und Materialeigenschaften auseinandersetzten.
Montage in Teamarbeit
Ab Januar 2026 wurde montiert: Finger verschraubt, Seilzüge gespannt, Platinen verbunden, Kabel verlegt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten dabei weitgehend eigenständig in Teams und dokumentierten ihre Arbeitsschritte fortlaufend mit Bildern. Dabei erweiterten sie ihre Kompetenzen in Mechanik, Elektronik, Anatomie, Informatik und Projektmanagement. Auch Rückschläge – etwa mehrfach gebrochene Bauteile im Schulterbereich – wurden zu wertvollen Lerngelegenheiten: Die Jugendlichen lernten, Belastungen zu analysieren und Druckeinstellungen eigenständig anzupassen.
Erste Bewegungen, große Auftritte
Im Juni 2026 war Charly vollständig montiert. Sein erstes kontrolliertes Kopfnicken war ein besonderer Meilenstein – kurz darauf konnte er bereits winken, Hände schütteln und einfache Interaktionen ausführen. Am 18. Juni 2026 wurde Charly der Lehrerkonferenz vorgestellt: Er begrüßte den Schulleiter per Handschlag und Umarmung – und musste danach gleich noch weitere Lehrkräfte umarmen. Bei einem Talenteabend und beim Begrüßungsnachmittag der neuen Fünftklässler entwickelte sich Charly rasch zum Publikumsmagneten.
Künstliche Intelligenz an Bord
Im Juli 2026 gelang die Anbindung an die KI-Plattform TRYP. Charly kann seither über seine drei Kameras die Umgebung erfassen, beschreiben, was er sieht, und gesprochene oder geschriebene Fragen per Sprachausgabe beantworten. Ab September wird das Team die Fähigkeiten mit blockbasierter Programmierung (Blockly) weiter ausbauen – unterstützt von einem erfahrenen Informatikschüler, der sein Wissen an die Gruppe weitergibt.
Nachhaltige Wirkung
Das Interesse an 3D-Design, 3D-Druck und Robotik ist an der Schule spürbar gestiegen: Aufgrund der hohen Nachfrage startet im kommenden Schuljahr eine zweite, schülergeleitete 3D-Druck-AG. Geplant sind zudem eine Teilnahme bei „Jugend forscht” im Herbst sowie weitere Präsentationen – etwa beim Schulfest am 19. September 2026 und bei der Jahrestagung von SchuleWirtschaftNRW am 24. November 2026, die in diesem Jahr am Carl-Fuhlrott-Gymnasium stattfindet.
Perspektivisch soll Charly als digitaler Lernhelfer eingesetzt werden – etwa zur Unterstützung bei Matheaufgaben oder als Gesprächspartner in Schulbibliothek oder Lehrerzimmer.
Die RÜTGERS Stiftung gratuliert der 3D-Druck-AG herzlich zu diesem beeindruckenden Projekt und bedankt sich beim Team für den ausführlichen Abschlussbericht. Projekte wie dieses zeigen eindrucksvoll, wie praxisorientierte MINT-Förderung junge Menschen motiviert und ihnen wichtige Zukunftskompetenzen vermittelt – von Problemlösefähigkeit über Teamarbeit bis hin zum reflektierten Umgang mit künstlicher Intelligenz.




